Otto Weddigen und Irma Prencke
Otto Weddigen und Irma Prencke

Otto Eduard Weddigen

U-Boot-Kommandant von U9 und U-29

* 15.9.1882 in Herford - 18.3.1915 vor Schottland auf See

Des Ahnherr Johannes Weddigen (1762-1827) Bruder, Peter Henrich Weddigen, Kaufmann in Nordhausen (1768-1828, verh. mit Luise von Sobbe aus Bielefeld 1771-1848) ist Ahne der Herforder Linie Weddigen mit dem Spross U-Boot-Kapitän-Leutnant Otto Weddigen, Urgroß­neffe des Dichters Peter Florens.

Dieser wurde als elftes und jüngstes Kind des Leinenfabrikanten  Eduard Weddigen geboren. Weddigen besuchte von 1890 bis 1901 das Friedrichs-Gymnasium in seiner Heimatstadt, um anschließend als Offiziersanwärter in die Kaiserliche Marine einzutreten. Im Gegensatz zum nach wie vor vom preußischen Adel dominierten Kaiserlichen Heer bot die Marine ehrgeizigen jungen Männern aus dem Bürgertum durchaus Aufstiegschancen.

Ihm gelang eine Karriere zum U-Boot-Kommandanten in der kaiser­lichen Marine. 1902 wurde er zum Fähnrich zur See und 1904 zum Leutnant zur See befördert. Im Mai 1906 wurde Weddigen zum Ostasiengeschwader versetzt, das in der damals deutschen Kolonie Kiautschou (heute Qingdao) in China stationiert war. Er wurde Wachoffizier auf dem Flusskanonenboot SMS Vaterland und zum Oberleutnant zur See befördert. 1907 diente er als Wachoffizier auf dem Kanonenboot SMS Tiger.

Nach Deutschland zurückgekehrt, kam Weddigen im Oktober 1908 zur U-Boot-Waffe. Diese befand sich gerade im Aufbau. Von April 1909 bis September 1910 fuhr er auf U1, U2 und U4 als Wachoffizier. Dann erhielt er mit U4 sein erstes eigenes Kommando. Während des nächsten Jahres kommandierte er zeitweise auch U3 und U5, bevor er am 1. Oktober 1911 Kommandant von U9 wurde. U9 gehörte zu dieser Zeit zu den neuesten U-Booten der deutschen Marine. Am 25. April 1912 wurde Weddigen zum Kapitänleutnant befördert.

Wenige Tage nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges lief Weddigen mit U9 und neun weiteren Unterseebooten von Helgoland zum ersten Einsatz aus. Diese erste Kriegshandlung durch deutsche U-Boote überhaupt misslang. Zwei Boote gingen verloren und U9 musste, angeschlagen und mit technischen Problemen, in die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven zurückkehren. Die wochenlange Ruhezeit nutzte Otto Weddigen zur Eheschließung mit seiner Jugendfreundin Irma Prencke. Am 20. September 1914 lief U9 über den Marinestützpunkt Helgoland zu einer Aufklärungsfahrt in Richtung Westen aus. In den Morgenstunden des 22. September 1914 wurden ca. 50 km nördlich von Hoek van Holland drei britische Kriegsschiffe gesichtet, die in Kiellinie liefen. Es gelang Weddigen, die drei technisch veralteten britischen Panzerkreuzer HMS AboukirHMS Hogue und

HMS Cressy nacheinander in nur 75 Minuten zu versenken. Nach dem Bericht des Kommandanten der Cressy, Bertram W.L. Nicholson, hatte ein Beobachtungsposten auf der Aboukir offenbar das Periskop von U 9 für ein Stück Treibholz gehalten. Ein Zufallstreffer in das Waffenmagazin der Aboukir  löste eine gewaltige Explosion und Chaos an Bord des britischen Schiffes aus. Bei der zu Hilfe eilenden Cressy kam erschwerend hinzu, dass die Besatzung nahezu ausschließlich aus kampfunerprobten Reservisten bestand.

O.W. erhieltdas Eiserne Kreuz erster und zweiter Klasse. Schon wenige Wochen darauf, im Oktober, versenkte das U9 einen weiteren britischen Kreuzer, weshalb ihn der Kaiser nun mit dem höchsten preußischen Orden, dem Pour le Mérite  auszeichnete. Nach einer Verletzung gab Weddigen das Kommando über das U9 im Januar 1915 ab.

In Folge der Handels­blockade Deutsch­lands seitens Englands erklärte die deutsche Regierung eine Verschärfung des U-Boot-­Krieges. Im März 1915 befehligte Weddigen das U29 und lief zur Feind­fahrt in die irische See aus. Ziel waren gegnerische Handels­schiffe. Auf dem Rückweg kam es zur verhängnis­vollen Begegnung mit der britischen 'Grand Fleet' : nach einem Fehl­schuss auf das Schlacht­schiff 'HMS Neptune' wurde das U29 von dem Schlacht­schiff 'HMS Dreadnought' gerammt und versenkt. Alle Besatzungs­mitglieder einschließ­lich des Kapitän­leutnants fanden den Tod.
 

Der schon zu Lebzeiten einsetzende, um Otto Weddigen betriebene Helden­kult wurde lediglich über­troffen von dem um den im April 1918 abgeschos­senen Jagd­flieger Manfred von Richt­hofen, dem 'Roten Baron'. Da die Weddigen­straße in Bielefeld in einer Gegend liegt, in der auch andere Straßen nach Historikern mit Bezug zur Stadt bzw. Grafschaft benannt sind (Schaten, Lamey, Nitzsch u.a.), könnte man davon ausgehen, dass sich die Benennung dieser Straße eigentlich Peter Florens betrifft. Friedrich Otto Weddigen passt inhalt­lich nicht richtig zu den Anderen, wenn er auch über Westfalen, die über­geordnete Region, berichtet. Auch die Benennung einer Straße nach einem 'Kriegs­helden' ist im geschilderten Zusammen­hang wohl eher fehl anzunehmen.

Dass neben militärischen Fähigkeiten auch eine große Portion Glück bei der für die Deutschen erfolgreichen Aktion im Spiel gewesen ist, gab Weddigen in einem später verfassten Bericht unumwunden zu und hob deutlich die seines Erachtens tapfere Haltung der gegnerischen Soldaten hervor. Etwa 1500 Mitglieder der britischen Besatzungen verloren dabei ihr Leben. 800 Überlebende wurden, u. a. von einem britischen Fischerboot und den niederländischen Passagierdampfern Flora und Titan, geborgen. U9 gelang trotz Verfolgung durch britische Schiffe unbeschadet die Rückkehr nach Helgoland. Anschließend wurde es in Wilhelmshaven triumphal empfangen. Otto Weddigen wurde im deutschen Kaiserreich als Kriegsheld gefeiert.

Das Versenken von drei gegnerischen Schiffen innerhalb kürzester Zeit etablierte U-Boote als Mittel der Kriegsführung. Für die deutsche U-Boot-Waffe war es ein bis dahin nicht für möglich gehaltener Erfolg. Otto Weddigen wurde von Kaiser Wilhelm II. mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet. Die übrigen 20 Besatzungsmitglieder erhielten das Eiserne Kreuz II. Klasse. Das Boot U 9 durfte fortan das Eiserne Kreuz am Turm führen.

Knapp drei Wochen später, am 15. Oktober 1914, versenkte Weddigen vor Aberdeen den britischen Kreuzer HMS Hawke, wofür er vom Kaiser am 24. Oktober 1914 als einer der ersten deutschen Marineoffiziere mit dem Pour le Mérite, dem höchsten preußischen Tapferkeitsorden, ausgezeichnet wurde.

Nachdem in der Erklärung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges durch die Reichsregierung, zwar wider das Völkerrecht, aber in Reaktion auf die ebenfalls völkerrechtswidrige Blockade Deutschlands durch Großbritannien, ausdrücklich auch die Versenkung gegnerischer Handelsschiffe vorgesehen war, versenkte U9 unter Weddigen auch drei solcher ziviler Schiffe.

Im Januar 1915 musste Weddigen sein Kommando wegen einer Verletzung an seinen Ersten Offizier Johannes Spieß abgeben. Nach seiner Genesung übernahm er am 13. Februar 1915 U29. Dieses Boot hatte im Gegensatz zu dem Petroleumboot U9 Dieselmotoren. Am 10. März 1915 lief U29 von Zeebrügge zum ersten Einsatz unter Weddigen aus. Es erreichte sein Operationsgebiet in der Irischen See und konnte in den nächsten Tagen vier Schiffe mit 12.934 BRT versenken. Auf dem Rückmarsch um Schottland herum begegnete U29 am 18. März 1915, östlich des Pentland Firth (zwischen dem schottischen Festland und den Orkney-Inseln), der Grand Fleet. Diese war auf dem Heimweg zu ihrem Stützpunkt Scapa Flow. Nach einem Fehlschuss auf das Schlachtschiff HMS Neptune wurde das Periskop des U-Bootes auf dem Schlachtschiff HMS Dreadnought gesichtet. Es gelang Weddigen nicht mehr, rechtzeitig auf Tiefe zu gehen. Gegen 13.40 Uhr rammte die Dreadnought das deutsche Boot, das dabei für kurze Zeit mit dem Vorschiff an die Oberfläche schoss. Dabei wurde die Bootsnummer ausgemacht. Dann versank U 29 und Otto Weddigen sowie seine gesamte Mannschaft fanden den Tod. Es war die einzige Kampfhandlung der Dreadnought während des Seekriegs im Ersten Weltkrieg.

Der 1917/1918 gebaute und eingesetzte U-Boot-Kreuzer U140 erhielt zu Ehren des bekannten U-Boot-Kommandanten den Namen Kapitänleutnant Weddigen.

Otto Weddigen wurde in Deutschland infolge seiner als sensationell empfundenen militärischen Erfolge als Kriegsheld gefeiert, seine Heimatstadt ernannte ihn mit 32 Jahren zum Ehrenbürger. Verehrung und Legendenbildung griffen rasch um sich, propagandistisch geleitet durch die kaisertreue Boulevardpresse. Bierkrüge, Medaillen, Wandteller und Porträtbüsten von ihm wurden in großer Zahl in Umlauf gebracht. Bald hieß es, in nahezu jedem deutschen Haushalt stehe ein Erinnerungsstück an Weddigen. Übertroffen wurde der Kult um den U-Boot-Kommandanten während des Ersten Weltkrieges später nur von dem am 21. April 1918 abgeschossenen Jagdflieger Manfred von Richthofen.

Auch in der Weimarer Republik blieb die Erinnerung an den Marineoffizier lebendig. Heinz Paul drehte 1927 den Spielfilm „U 29 Weddigen“ mit Carl de Vogt in der Hauptrolle. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurde das Andenken an den einstigen "Kriegshelden" noch einmal forciert, und es erschienen mehrere Biografien, mitunter jene reed. von 1915 von Schriftsteller Dr. Otto Weddigen. An der Universität Kiel bildete der dortige Verein Deutscher Studenten zusammen mit anderen Studentenverbindungen 1933 eine Kameradschaft Otto Weddigen. Beim Wiederaufbau der deutschen U-Boot-Waffe wurde die erste neugegründete Flottille 1935 nach Weddigen benannt. Erster Chef wurde Karl Dönitz. Das Boot U9 trug, wie Weddigens SM U9, das Eiserne Kreuz als Turmabzeichen. In dieser Zeit baute die Firma Leitz unter dem Markennamen Leica sowohl eine Unterwasserkamera als auch ein Prismenfernglas mit Namen „Weddigen“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Otto Weddigen – anders als von Richthofen – außerhalb Marine-interessierter Kreise weitgehend in Vergessenheit. Anfang der 1950er Jahre erschienen bei Pabel-Moewig einige Heftromane rund um die U9 und Weddigen, u. a. 1953 „Mit Weddigen auf großer Kriegsfahrt“. Bücher über Otto Weddigen wie auch Devotionalien der im Deutschen Reich erfolgten Heldenverehrung sind heute allenfalls in Antiquariaten und bei auf Militaria spezialisierten Flohmarkthändlern zu finden. Allerdings beginnen sich Forschung und Feuilleton im Zuge eines neu belebten Interesses an den Vorgängen des Ersten Weltkrieges auch wieder für die Person Otto Weddigens zu interessieren.

In Herford ist am Frühherrenhaus, dem Geburtshaus Otto Weddigens in der Petersilien-/Ecke Frühherrenstraße, eine Gedenktafel angebracht. Das Weddigenufer an der Werre wurde nach ihm benannt. Ein dort 1935 - in der NS-Zeit - angelegtes Freibad, das lange Zeit als Militäreinrichtung genutzt wurde (nach dem Krieg auch durch die britische Armee), trug den Namen. Die Herforder Bevölkerung machte daraus in den letzten Jahren vor seinem Abriss jedoch kurz „Otto-Bad“. 1997 entstand an der Stelle ein Freizeitbad mit dem Namen „H2O“, was die Interpretation „Herfords Zweites Otto“ zulässt. Auch die in der Stadt ansässige Marinekameradschaft Otto Weddigen erinnert an ihn.

U 9 der Bundesmarine führte als Wappen ebenfalls das Eiserne Kreuz am Turm.

Eine Schwimmpier im Marinestützpunkt Kiel heißt nach ihm Weddigenbrücke. In Berlin wurden mehrere Straßen nach dem U-Boot-Kommandanten benannt, der Weddigenweg im Bezirk Steglitz-Zehlendorf existiert bis heute. Auch in Oberhausen-Sterkrade wurde 1936 die Thalstraße nach ihm umbenannt und heißt bis heute Otto-Weddigenstraße.

In AugsburgAurichFreiburg im BreisgauGerlingenHannoverMünchenMünster, Nürnberg, Oldenburg und Wuppertalsind ebenfalls Straßen nach ihm benannt. In der niederrheinischen Kleinstadt Neukirchen-Vluyn tragen drei Straßen einer 1919 erbauten Zechensiedlung seinen Namen (Weddigenplatz, Weddigenallee, Weddigenstraße).

In Düsseldorf-Niederkassel trägt die Schützenkompanie Otto-Weddigen-Kompanie seit 1935 – dem im Dritten Reich groß gefeierten zwanzigsten Todesjahr des U-Boot-Kommandanten – seinen Namen.

In dem privaten, öffentlich zugänglichen Museum U-Boot-Archiv in Cuxhaven ist der Otto-Weddigen-Raum nach ihm benannt.      

Stets verschwiegen wird aber auch, dass ein frz. Arbeitslager der Organisation Todd in Bordeuax-Bastide im 2.Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 nach "O.W." benannt worden ist! 

Nach dem Kriege wurde das Buch "Otto Weddigen, : Unser Seeheld Weddigen. - Berlin: Drei Türme-Verl. reed. 1933." in die alliierte Liste der 'auszusondernden Literatur' aufgenommen!


 

Weddigens Crew von U9
Weddigens Crew von U9
Gedenkteller mit Bildnis O.W's 1915
Gedenkteller mit Bildnis O.W's 1915
16.8.1914.Garnisonskirche Wilhelmshafen Trauung O.W. & I.P.
16.8.1914.Garnisonskirche Wilhelmshafen Trauung O.W. & I.P.
Gedenktafel am Weddigenhaus in Herford
Gedenktafel am Weddigenhaus in Herford
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Arbeitslager Bordeaux-Bastide 1939-45
Dr.O. Weddigen (1915), Seeheld unser, der Du bist...aufgenommen in die Liste der auszusondernden Literatur!
Dr.O. Weddigen (1915), Seeheld unser, der Du bist...aufgenommen in die Liste der auszusondernden Literatur!


Kommentare: 1
  • #1

    Ulrich Budler (Mittwoch, 30 Dezember 2015 18:23)

    Lieber Weddiges,
    ich bin gerade dabei die kleine Geschichte des adeligen Gutes Mandelsenbostel in Achim zusammenzutragen.
    Hierbei "lief" mir ein Weddige Ihrer Familie über den Weg:
    Friedrich Florenz von Weddig, Dragoneroberst, Sohn des Johann Daniel (1636 – 20.10.1708 Minden) und Christina
    Kauf des Gutes 22.8.1738, Reichsadel vom 13.10.1736
    * 23.2.1671 Hartum
    00 Sophia Hedewig Bruncken
    + 25.6.1740 Herzberg

    Mich würde nun interessieren, wann und wo besagter Friedrich Florenz geheiratet hat und ob es irgendwelche Informationen bezüglich den Kauf des Gutes gibt. Angeblich sollen seine Kinder das Gut später für 8100 Thaler am 16.1.1743 an Dr. Gottlieb Lebrecht von Exter verkauft haben. Aber auch darüber existieren hier nur Gerüchte.
    Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen.
    Herzliche Grüße
    Ulrich Budler, Heimatgverein Achim
    und ein frohes Neues Jahr